Der HMC im Wintersemester 2011/2012

HMC NR 15 – Der HANIEL Master Course „Politikberatung: Strategien, Instrumente, Stile des modernen Regierens“ ist geöffnet für Studierende des ersten Fachsemesters.

Die Veranstaltung setzt sich mit aktuellen Konzepten und Projekten aus Politik- und Gesellschaftsberatung auseinander. Neben klassischer Politik- bzw. Politikerberatung steht die Arbeit politischer Stiftungen, Think Tanks und Agenturen mit Schwerpunkt „Public Affairs“ im Mittelpunkt der analytischen Betrachtung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Ansätzen einer „Gesellschaftsberatung“, die von neuen, zivilgesellschaftlich verankerten Akteuren getragen werden sowie auf Konzepten zur stärkeren Integration von Bürgern in Planungs- und Beratungsprozesse politischer Akteure auf unterschiedlichen administrativen Ebenen.

Im Rahmen der Veranstaltung sollen die in der theoretischen Auseinandersetzung sowie im Austausch mit Praxisvertretern erworbenen Kenntnisse anhand eines Beratungskonzeptes bzw. einer selbst gestalteten Kampagne umgesetzt werden.

Veranstaltungsüberblick  

Im Rahmen des HANIEL Master Course fanden im Wintersemester 2011/2012 folgende Veranstaltungen statt:

29. – 31. Januar 2012
Politikberatung aus erster Hand – Masterstudierende erkunden Bonn
von Martin Krybus

Die ehemalige Haupt- und heutige Bundesstadt Bonn war für drei Tage Ziel der Studierenden des Masterstudiengangs Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung der NRW School of Governance. Im Rahmen des Haniel Master Course „Politikberatung: Strategien, Instrumente und Stile des modernen Regierens“ besuchten die 25 Teilnehmer unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Bieber zahlreiche ortsansässige Politikberatungsakteure. Dabei erweiterten sie ihre während des Semesters erworbenen Kenntnisse um wichtige Praxiseinblicke und machten sich auch mit möglichen späteren Berufsfeldern vertraut.

Beim Besuch der Zentrale der Deutschen Telekom AG sprachen die Kursteilnehmer mit Vertretern der Abteilung Public und Regulatory Affairs über die strategische Interaktion des ehemaligen Staatsbetriebs mit Politik und Aufsichtsbehörden. Als interessant erwies unter anderem der Umstand, dass das Telekommunikationsunternehmen die benötigte Interessenvertretung nach außen nicht extern nachfragt, sondern größtenteils selbst erbringt.

Das Treffen mit einem Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung ermöglichte den Studierenden die Vertiefung ihres Wissens über die parteinahen Stiftungen als Politikberatungsakteure. Vor allem die Frage, inwieweit sich durch Forschungsarbeiten die Positionen der Mutterpartei wissenschaftlich unterfüttern lassen, stand im Zentrum der Diskussion. In der Geschäftstelle der Bundeszentrale für politische Bildung lernte man geeignete Formate zur Vermittlung politischer Sachverhalte kennen.

Weiterhin besuchten die Studierenden des sechsten Masterjahrgangs das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik und die Fachstelle für internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB) .

Die seit dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin gewandelte Rolle Bonns war ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Exkursion. Deshalb warfen die Studierenden auch einen Blick auf Bonns Vergangenheit als Hauptstadt und besichtigten im nahegelegenen rheinland-pfälzischen Ahrweiler den ehemaligen Regierungsbunker, ein Relikt des Kalten Krieges. In Bonn selbst bot der Besuch im Haus der Geschichte einen umfassenden Überlick über die Zeit der Bonner Republik. Abschließend wurde der im Stil der klassischen Moderne errichtete Kanzlerbungalow besichtigt, der den Bundeskanzlern zwischen 1964 und 1999 als Wohnsitz diente.

Die Gegenüberstellung von historischen Stätten der Macht mit heutigen Politikberatungs-akteuren lieferte den Studierenden einen umfassenden praxisbezogenen Überblick  und machte die Exkursion zum gelungenen Semesterabschluss für die Teilnehmer des Haniel Master Course.

24. Januar 2012
„Transparenz ist kein Modethema!“ – Dennoch braucht Demokratie auch professionelle Interessenvermittlung
von Manuel Gath und Sebastian Pohl

Als Schlusspunkt eines spannenden und abwechslungsreichen ersten Semesters im Masterstudiengang an der NRW School of Governance hatten die Studierenden erneut die Möglichkeit, Einblicke in die praktische Welt der Politikberatung zu erhalten. Im Rahmen des HANIEL Master Course „Politikberatung: Strategien, Instrumente und Stile des modernen Regierens“ gastierte am 24. Januar 2012 Heiko Kretschmer, Gründer und Geschäftsführer der Beratungsagentur Johanssen + Kretschmer aus Berlin, in Duisburg.
Unter dem Thema „Ethik in der Politikberatung“ gewährte Herr Kretschmer Einblicke in seine Tätigkeit als Politikberater sowie in seine Aktivitäten als Ethikbeauftragter innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (de’ge’pol). So gibt es als „ethische Grundlage“ Codizes in der Politikberatung, die unter anderem  Transparenz und eine Stärkung der Eigenverantwortung beinhalten. Auch die Agentur von Kretschmer greift bei der Beratung darauf zurück: „Wir haben uns einen ‚Code of Business‘ gegeben, der auf den ethischen Standards der Branche aufbaut, Teil der Agenturordnung und somit für jeden Mitarbeiter verpflichtend ist.“

Ein zentraler Bestandteil sei dabei die Absendertransparenz. Im Rahmen der de’ge’pol setzt sich Heiko Kretschmer daher für eine gesetzlich bindende Regelung ein. „Forderungen nach mehr Transparenz betrifft ebenso die Interessenvertretung, wie es beispielsweise in der Diskussion um das Lobbyregister deutlich wird.“, so Kretschmer im Bezug auf seine Tätigkeit als Ethikbeauftragter. Die öffentliche Debatte um Lobbyismus und Interessenvertretung wird bisweilen sehr kontrovers geführt, professionelle Interessenvermittlung sei aber unter den richtigen Voraussetzungen in einer pluralistischen Demokratie unabdingbar. „Die gesellschaftliche Forderung nach mehr Transparenz ist kein Modethema, sondern Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels. Da muss auch die Beraterbranche reagieren“, konstatiert er zusammenfassend.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde auch das Konzept von Corporate Social Responsibility (CSR) beleuchtet. „In den letzten Jahren hat sich die Haltung von Unternehmen zum Thema CSR im Speziellen und zu Nachhaltigkeit im Allgemeinen zum positiven entwickelt“, so der Politikberater. Damit widersprach er zu großen Teilen der These, es handele sich bei CSR überwiegend um eine Art „Scheckbuchdiplomatie“ von großen Konzernen.

Gegen Ende der Veranstaltung konnten dann die Studenten des Masterkurses Fragen an den Berliner Berater stellen. Von besonderem Interesse war dabei die persönliche Biografie von Herrn Kretschmer, der als diplomierter Physiker in die Politikberatung wechselte. Mit dieser Basis beendete Herr Kretschmer seinen Ausflug in die Politikberatung und gab eine Einschätzung für die Chancen von Quereinsteigern in die Beratung sowie das aktuelle Anforderungsprofil der Politikberatungsbranche.

18. Januar 2012
Innovationspolitik in NRW – Studierende diskutieren mit Ministerin Svenja Schulze

Am 18. Januar war Wissenschaftsministerin Svenja Schulze zu Gast an der NRW School of Governance. Im Rahmen des Haniel Master Course „Politik- und Gesellschaftsberatung“ skizzierte sie in einem Impulsvortrag die Leitlinien einer „Innovationspolitik in NRW“. Dabei schilderte sie die Möglichkeiten und Notwendigkeiten gesellschaftsorientierter Forschungs- und Modernisierungsaktivitäten, bei denen die Regierung nicht allein als Steuerungsorgan, sondern vielmehr als „Moderator“ und „Ermöglicher“
gefordert sei.

Ein wichtiges Ziel sei die gemeinschaftliche Entwicklung von Plattformen zum Austausch von Ideen, Konzepten und Erfahrungen – hierbei gelte es auch, junge Forscherinnen und Forscher in den Prozess einzugliedern. Schulze betonte dabei auch die Rolle sozialwissenschaftlicher Perspektiven, Innovationspolitik dürfe nicht eine Domäne der naturwissenschaftlich-technisch orientierten Fächer sein.

Diesem Ansatz kamen die Teilnehmer des Haniel Master Course, der im Wintersemester von Prof. Dr. Christoph Bieber geleitet wird, gerne nach: Die anschließende Gesprächsrunde wurde moderiert von zwei Studierenden, die entlang aktueller Fragen zu Hochschulpolitik und Hochschulsteuerung eine Verbindung zu den Seminarinhalten herstellten. Insbesondere beim Blick auf experimentelle Formen der Bürgerbeteiligung machte Schulze deutlich, dass auch im Bereich der Beratung innovative Ansätze die Arbeit von Ministerien verändern könne. So überprüfe das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung gerade eine Vielzahl von Hinweisen und Vorschlägen zur Situation an den Hochschulen, die über eine Online-Befragung eingeholt worden waren. Dies zeige, dass Lernprozesse im Bereich der Politik nicht mehr allein über professionelle Expertise und Beratungsunternehmen begleitet werden, sondern auch gesellschaftliche Akteure und einzelne Bürger Möglichkeiten zur Beteiligung an Politikprozessen haben und diese durchaus auch wahrnehmen.

Die lebhafte Unterhaltung auf dem Podium sparte auch die Probleme bei den Wahlen zum Studierendenparlament an der Universität Duisburg-Essen nicht aus. Svenja Schulze machte dabei deutlich, dass sie der studentischen Selbstverwaltung nach wie vor eine wichtige Rolle im universitären Umfeld zuschreibt. Aktuelle Schwierigkeiten bei der Organisation dürften nicht dazu führen, dass sich die Studierenden vom wichtigen Prozess der universitären Diskussion und Verständigung abwenden.

20. Dezember 2011
Lobbying als Übersetzer zwischen politischer Praxis und wirtschaftlichen Interessen von Johannes Heuser

„Lobbyisten fungieren als Übersetzer zwischen Politikern und wirtschaftlichen Interessen“, so beschrieb Florian Busch-Janser, Geschäftsführer der BJP – The Interims Consultants Agency, am 20. Dezember 2011 die Aufgaben eines Politikberaters im Rahmen des Haniel Master Course „Politikberatung: Strategien, Instrumente und Stile des modernen Regierens“.

Die Studierenden des sechsten Masterjahrgangs hatten bei der Veranstaltung zum Thema „Politikberatung als Beruf“ die Möglichkeit Erfahrungen, Anforderungen und Perspektiven für eine Berufstätigkeit in Agenturen, Abgeordnetenbüros, Kanzleien und Unternehmensberatungen aus erster Hand von einem Personalberater zu erfahren.

Dabei berichtete Busch-Janser von der Arbeitsweise im Berufsfeld eines Politikberaters und gab seine Antwort auf Fragen, die bereits im Seminar während des Haniel Master Course entworfen wurden. So erörterte man zum Beispiel inwieweit Unterschiede im Lobbying zwischen Washington und Berlin bestehen und ob es möglicherweise in Zukunft auch eine K-Street in Berlin geben könnte. Neben der Zunahme der Politikberatungsagenturen in Berlin konstatierte Busch-Janser dabei eine schwache bis nicht existente Ausprägung des Contract-Lobbying in Deutschland. Auch sei der idealtypische Verlauf des Policy-Cycles wie in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben, so nicht eins zu eins auf die Beratungsrealität übertragbar. „In der Beratungspraxis kommt es vielmehr auf die Messbarkeit von Ergebnissen an und es können sich einzelne Phasen überschneiden.“, so der Personalberater.

Neben der Frage der Beratungspraxis wurde auch über die ethische Dimension der Arbeit in den Berufsfeldern PR/Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und wissenschaftlicher Politikberatung diskutiert. So wurden sowohl Konzepte der Pluralismustheorie als auch die Unterschiede zwischen „weißem Lobbying“ und „schwarzem Lobbying“ heraus gearbeitet. Dabei wurde auch der Stellenwert von „informellen“ Treffen im Cafe Einstein und politischen Gesprächen in der Lobby geklärt.

Von besonderer Bedeutung für die Studierenden war zudem die Frage, ob es in der Beratungspraxis möglich sei Auftraggeber abzulehnen und wie dabei die Politik der einzelnen Agenturen sei. Im gleichen Atemzug erörtert man zudem, wie Aufträge für Agenturen zustande kommen und ob eine Unterscheidung zwischen reaktivem und proaktivem Lobbying bestehe und wie diese in der Beratungspraxis konkret aussehe. Busch-Janser gab zusätzlich seine Einschätzung zu deliberativer Politikberatung und den Zukunftschancen dieser Beteiligungsform.

Zum Ende der Veranstaltung konnten die Studierenden dann Fragen zur Gehaltsstruktur, zu den Aufgaben eines Trainees oder Junior Beraters, dem Arbeitstag und Arbeitsalltag eines Lobbyisten stellen. Dabei standen besonders auch die Entwicklungsmöglichkeiten eines Hochschulabsolventen im politischen Berlin im Vordergrund. „ Ich würde mich freuen, wenn auch einige von Ihnen an einer Übersetzungsfunktion nach dem Studium gefallen finden.“, so der Personalberater zum Abschluss der Veranstaltung.

08. November 2011
Wissenschaftliche Politikberatung – „Das „Ritzenkind“ zwischen Legitimationsbeschaffer und nicht gehörtem Mahner“ oder „das dunkle Schlafzimmer der Wissenschaft.“ von Felix Wolfes

Am 8. November war Herr Prof. Dr. Manfred Mai zu Gast im Haniel Master Course Politikberatung: Strategien, Instrumente und Stile des modernen Regierens des neuen Jahrgangs der NRW School of Governance. Herr Professor Mai, selbst Politikberater in der Staatskanzlei NRW gab den Studierenden des neuen Jahrgangs einen offenen Einblick in die Realität der wissenschaftlichen Politikberatung.

Auf der einen Seite steht die Wissenschaft als Legitimationsbeschafferin. Wenn politische Entscheidungsträger etwas politisch durchsetzen möchte und die Mehrheiten ambivalent sind, dann sucht sich die Politik die Autorität der Wissenschaft. Es werden dann Studien angefertigt. Beispielsweise die Bewerbung des Landes NRW für Olympia. Die Vorrausetzungen sind denkbar schlecht, doch die Spiele politisch gewollt. Machbarkeitsstudien von namhaften Agenturen schaffen Legitimation, so dass fachliche Fragen in den Hintergrund treten. Auch wenn die in der Studie genannten Wege so hohe Kosten, nicht nur monetär, verursachen, dass das eigentliche Projekt dadurch in Frage gestellt werden sollte.

Auf der anderen Seite steht die Wissenschaft häufig als nicht gehörte Mahnerin da. Beratung, interpretiert als fachliches Unvermögen und Einschränkung der eigenen Handlungsfreiheit ist Sie in der Politik häufig nicht erwünscht.

In Anekdoten erzählte Herr Professor Mai, dass sich schon Adenauer die Beratung der Politik durch die Wissenschaft verbeten hatte. Wissenschaftler, die z.B. vor der atomaren Bewaffnung Deutschlands nach dem Krieg – durchaus mit guten Argumenten – warnten wurden als „lausige Kommunisten“ diffamiert! Der Klimawandel wurde schon in den 70er Jahren von vereinzelten Wissenschaftlern prognostiziert und auch die Finanzkrise wurde vorausgesagt. Doch die Politik nahm diese Mahnungen nicht ernst.

Die Funktionslogiken dieser beiden Teilsysteme passen nicht zusammen. Aber vielleicht kann gerade die Politikberatung es schaffen auf der Spielwiese der Überscheidungen zu helfen, dass sich beide, Politik und Wissenschaft, ein wenig besser verstehen und ein bisschen Licht in das düstere Schlafzimmer der Politikberatung dringt.