Der HMC im Sommersemester 2011

HMC NR 14 – Für die Studierenden des zweiten Semesters lautet das Thema: „Praxis der Politikgestaltung: Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“

Wie sehen politische Verhandlungen in der Praxis aus? Wie kommunizieren Entscheidungsträger zielorientiert mit den Medien, mit Interessenvertretern und der Öffentlichkeit? Welche besonderen Anforderungen stellt die öffentliche Kommunikation nicht nur an politische Entscheider, sondern auch an wirtschaftliche Akteure, die sich an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft bewegen? Diesen und anderen Fragen werden die Studierenden gemeinsam mit Praktikern aus Politik, Wirtschaft und Medien nachgehen.

Ziel des Seminars ist eine anwendungsbezogene Beschäftigung mit unterschiedlichen Feldern der politischen Kommunikation und politischen Vermittlungs- und Verhandlungstätigkeiten. Es geht insofern um eine praxisbezogene „Übersetzung“ von Inhalten, die bisher im Curriculum eine Rolle gespielt haben. Die Strukturierung erfolgt dabei entlang der drei im Seminartitel genannten Begrifflichkeiten:

  1. Vermitteln: In diesem inhaltlichen Block beschäftigt sich das Seminar mit dem Vermittlungshandeln von individuellen und kollektiven politischen Akteuren in Routine- und in Krisensituationen. Politikvermittlung der politischen Führung im Kontext unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Regime und unterschiedlicher Vetospieler-Konstellationen im europäischen Vergleich ist ein Schwerpunkt dieses Lehrblocks.
  2. Kommunizieren: Im Zentrum stehen praktische Übungen im Verfassen von Pressemitteilungen, Redemanuskripten und einem Medientraining vor der Kamera. Einen besonderen Schwerpunkt in diesem inhaltlichen Block nimmt die politische Kommunikation in Zeiten von Web2.0 und WikiLeaks ein.
  3. Verhandeln: Das Erarbeiten und Einüben von Verhandlungstechniken steht hier im Mittelpunkt: Koalitionsverhandeln zwischen Ritualen, sachpolitischen Zielen und Machtspielen wird vor allem während der Summer School im August 2011 in einem Planspiel praxisnah erprobt.

Ergänzt wird das Seminar durch eine öffentliche Veranstaltung, den Besuch bei der Haniel-Stiftung und die abschließende Summer School mit Planspiel und Redenschreiberwettbewerb im August 2011.

Leitung des Kurses: Dipl.-Soz.-Wiss. Stefanie Delhees und Kristina Weissenbach, M.A.

Seminarplan zum HANIEL Master Course NR 14.

Veranstaltungsüberblick  

Im Rahmen des HANIEL Master Course fanden im Sommersemester 2011 folgende Veranstaltungen statt:

16. Juni 2011
Medientraining im Haniel Master Course II: Vor Ort im WDR-Studio Duisburg

In einem dreiteiligen Medientraining lernen die Studierenden des Masterstudiengangs „Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung“ wie mediale Auftritte professionell gestaltet werden.

Der zweite Teil des Medientrainings fand im WDR-Studio am Duisburger Innenhafen statt. Nach einer Führung durch die Redaktion, stellten sich die Studierenden Interviewfragen von Klaus Beck (Studioleiter) vor laufender Kamera. Das Studio der Lokalzeit Duisburg diente hier als realistischer Rahmen und vermittelte den Teilnehmer erste Studio Erfahrungen.

Angeleitet vom WDR-Medienexperten Klaus Beck konnten sie die im ersten Teil des Trainings erhaltenen Hinweise zu dem richtigen Verhalten vor der Kamera und erlernten  Grundregeln für die Organisation und den Ablauf eines Mediengesprächs anwenden und erproben.

09. Juni 2011
Erster Teil des Medientraining im Haniel Master Course

„Was wollen Sie eigentlich hier?“, mit dieser Eingangsfrage eröffnete Klaus Beck (Studioleiter des WDR- Studios in Duisburg) den Workshop Medientraining  des Masterstudiengangs Politikmanagement.

Die Studierenden, die im Rahmen des HANIEL Master Course „Praxis der Politikgestaltung: Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“ an diesem Workshop teilgenommen haben, richteten daraufhin ihre Erwartungen an Herrn Beck. Dazu zählten unter anderem die Fragen: „Wie lange darf so ein Statement vor der Kamera überhaupt sein? Wie soll man die Körpersprache vor der Kamera zum Einsatz bringen? Und kann man manipulative Rhetorik anwenden?“ Der Medienexperte vermittelte den Studierenden die mediale Darstellung, sie bekamen Hinweise zu ihrem Verhalten vor der Kamera und dabei wurde auch die „Mischung aus Sach- und Fachkompetenz und dem medialen Auftritt“ betont.

Nach der theoretischen Einführung wurde in kurzen Statements von jeweils dreißig Sekunden das eben Gelernte gleich praktisch vor der Kamera umgesetzt und anschließend zusammen mit Klaus Beck analysiert.

19. Mai 2011
Studierende diskutieren im Haniel Master Course über Strategien der politischen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

„Gibt es eine steigende Bedeutung von PR-Organisationseinheiten und deren Kom-munikationskompetenz?“ Mit dieser Eingangsfrage haben zwei Studierende am Ende ihres Impulsreferats den Workshop zum Thema: „Wie verfasse ich eine Presseerklärung“ eröffnet. Dieser Workshop hat im Rahmen des HANIEL Master Course „Praxis der Politikgestaltung: Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“ stattgefunden.
Gemeinsam mit den Experten Dr. Moritz Ballensiefen, Persönlicher Referent des Vorstandsvorsitzenden im Forschungszentrum Jülich GmbH und Stefan Kilpper von der Agentur Ketchum Pleon (Agentur für Kommunikationsberatung) hatten die Studierenden die Gelegenheit, Strategien politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang wurden ebenso Kommunikationsinstrumente für Politik und Medien vorgestellt. Dabei ist die „Pressemitteilung ein Werkzeug, was neben vielen anderen steht“, sagte Stefan Kilpper während des Workshops.

Im zweiten Teil der Veranstaltung standen praxisorientierte Übungen im Rahmen eines kleinen Planspiels im Vordergrund. Die Studierenden bekamen unterschiedliche journalistische Rollenprofile zugewiesen, entwickelten eine Kommunikationsstrategie und lernten bei der Inszenierung einer Pressekonferenz, welchen Anforderungen eine professionelle Pressemeldung entsprechen muss.

12. Mai 2011
Die Ethik des Lecks – Diskussion über verantwortlichen Umgang mit Informationen im öffentlichen Haniel Master Course

„Die Ethik des Lecks. Vom verantwortlichen Umgang mit Informationen in Medien und Politik“ –  unter diesem Titel fand am 12. Mai 2011 eine öffentlichen Paneldiskussion mit Studierenden des Haniel Master Course, Experten und einem interessierten Publikum an der NRW School of Governance statt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand ein reger Austausch zwischen den für diese Veranstaltung gewonnenen Gästen Prof. Dr. Christoph Bieber (Johann-Wilhelm Welker Professur für Ethik und Politikmanagement und Gesellschaft) und David Schraven (Leiter Ressort Recherche der WAZ-Mediengruppe) über die Auswirkungen der Enthüllungskrise um Wikileaks und generellen Ansprüchen an ein demokratisches und ethisches Publizieren.

Was bedeuten „Lecks“ für den Umgang mit Politik und Journalismus und wem obliegt es, als geheim eingestufte Informationen der Öffentlichkeit publik zu machen – diese und weitere Fragen stellte der Moderator Markus Lewitzki (Studierender im Masterstudiengang Politikmanagement) an die Experten. Während Bieber die Herausbildung weiterer Leaking-Plattformen als neues, auch ökonomisch betrachtbares Medienformat identifizierte, das radikale Transparenz in Politik und Gesellschaft erzeugen könnte, negierte Schraven diese Veränderungsthese und betonte demgegenüber, dass sich lediglich die Mittel –  nicht aber die Grundlage journalistischer Arbeit modifiziert haben: Enthüllungsplattformen seien nichts anderes als eine neue „Post“. Beide machten gleichwohl verschiedene ethisch relevante Fragen sowohl auf Seiten der Leaker als auch auf Seiten der Journalisten aus, was David Schraven mit Beispielen aus seiner Berufspraxis untermauerte.

Videobeitrag zur Podiumsdiskussion

05. Mai 2011
Politische Kommunikation in Zeiten von Web2.0 und WikiLeaks

„WikiLeaks-Dokumente zu lesen, zu verstehen und zu bewerten“ – dies vermittelte Prof. Dr. Christoph Bieber (Johann-Wilhelm Welker Professur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen) im Haniel Master Course „Praxis der Politikgestaltung: Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“.

Im Mittelpunkt der Sitzung standen ethische Fragen der politischen Kommunikation und des Politikmanagements in Zeiten von Web2.0 und WikiLeaks. Bieber stellte in einem Impulsreferat politikwissenschaftliche Aspekte des Falles WikiLeaks vor. Bei der anschließenden Gruppenarbeit diskutierten die Studierenden  über WikiLeaks-Dokumente sowie Militärdokumente, diplomatische Depeschen oder Gefangenen-Dossiers und setzten sich mit zentralen Fragestellungen auseinander: „Wo sind Ansatzpunkte für eine ethische Betrachtungsweise der WikiLeaks-Affäre(n) zu finden? Wie ist das jeweilige Verhältnis der Medienakteure zu WikiLeaks (bzw. der Person Assange) zu charakterisieren? Sind die Folgen einer radikalen Transparenz tatsächlich überwiegend positiv einzuschätzen?“.

Mit den Studierenden diskutierte Bieber vor allem die unterschiedliche Einschätzung der WikiLeaks- Ereignisse aus ethischer Betrachtungsweise. Bei dieser abschließenden Diskussion kamen weitere Fragen auf wie: Inwiefern verändert WikiLeaks die Mediengesellschaft-als eine Art „New Player“? Wie ist die Enthüllungsplattform aus demokratietheoretisch-normativer Perspektive einzuschätzen? Zum Abschluss gab Bieber den Studierenden noch einen Impuls mit: „WikiLeaks als ein klassisches intellektuelles Projekt zu betrachten ist sehr interessant!“