Karl-Rudolf Korte rezensiert Christoph Weckenbrocks Neuerscheinung „Schwarz-Grün für Deutschland?“

Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance

In seinem Buch „Schwarz-Grün für Deutschland? Wie aus politischen Erzfeinden Bündnispartner wurden“ erläutert der Bonner Parteienforscher Dr. Christoph Weckenbrock die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Union und Grünen – vom Ende der siebziger Jahre bis zum Vorabend der Bundestagswahl 2017. Mit Blick auf die Jamaika-Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene ist dies ein brandaktuelles Thema. Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte hat das Buch für die F.A.Z. rezensiert.

Weckenbrock startet mit den Profillinien der Unionsparteien und der Grünen. Danach werden die markanten Stationen der Annäherung dramaturgisch verdichtet erzählt. Dabei weise der Autor schlüssig nach, dass die Grünen den Kurs in Richtung Union in den vergangenen vier Jahren faktisch intensiviert haben, so Korte. Beide Parteien hätten dabei den Abstand zur CSU auch bei wertorientierten Themen vergrößert. Doch führe nicht die Logik von Lagern und Ämtern dann zur Bildung von Koalitionen, sondern das Persönliche der Verhandlungspartner. Dabei drehe es sich nicht um Sympathie zwischen den Verhandlungsführern, sondern andere Kategorien stehen im Zentrum: Vertrauen, Verlässlichkeit, Wertschätzung, Integrität, Respekt.

Die Studie sei mit Temperament anregend geschrieben, so Korte in der F.A.Z. Als Leser hätte man sich allerdings noch ein Kapitel Koalitionsforschung gewünscht. Denn die politische Arithmetik bestehe nicht in der Addition von Wählerstimmen, sondern in der Kombinierbarkeit politischer Absichten. Häufig entstünden zeitversetzte Bündnisse, deren politisches Mantra in der Vergangenheit wurzelt. Auch dazu wären Impressionen im Buch hilfreich gewesen. Die Lektüre lege dennoch offen, dass der Vorrat an Selbstverständlichkeiten im Bündnis Schwarz-Grün, aber sicher auch in den Jamaika-Farben ausgeprägter ist, als es die Chefetagen der Parteien bislang zugeben. Sozialstaatlicher Pragmatismus, moderne Autonomie, moralischer Ernst, bürgerliche Solidität, gemeinwohlorientierter Kaufmannsgeist könnten diese Koalitionen auszeichnen.

„Im Jahr der Reformation eignet sich auch der Begriff der ,versöhnten Verschiedenheit‘, die eine Gestaltungsmehrheit aus Union und anderen Parteien antreiben könnte“, schreibt Korte in der F.A.Z. Die Wähler selbst spielten bei allen Modellen einer zukünftigen Regierung nur eine marginale Rolle. Aber das seider Preis, wenn der Parteienwettbewerb bunter, vielgestaltiger, mobiler und koalitionsoffener geworden ist. Die Weckenbrock-Lektüre lade sachkundig ein, um darüber nachzudenken, so Kortes Resümee.

Die komplette Rezension gibt es hier zu lesen.

 

 

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