Brauchen wir eine Ethik des Wählens? Christoph Bieber über Früh-, Spät- und Briefwähler

Prof. Dr. Christoph Bieber

Christoph Bieber hielt letzte Woche einem Vortrag beim Gesprächskreis „Wissenschaft und Politik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung Rheinland-Pfalz/Saarland

In einem Vortrag beim Gesprächskreis „Wissenschaft und Politik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung Rheinland-Pfalz/Saarland im Regionalbüro Mainz hat sich Prof. Dr. Christoph Bieber in der vergangenen Woche mit dem Entscheidungs- und Stimmabgabeverhalten von Wähler/innen auseinandergesetzt. Unter dem Titel „Ausweitung der Abstimmungszone“ hat er dabei den Wahlzeitpunkt als Koordinate der Kampagnenführung analysiert.

Im Mittelpunkt standen dabei die Wählertypen des „late deciders“ und des „early voters“ – während erstere die Wahlentscheidung immer länger hinauszögern und sich mitunter erst am Wahltag entscheiden, wem sie ihre Stimme geben, ist in Deutschland auch eine wachsende Zahl von „Frühwählern“ zu beobachten: der steigende Anteil von Briefwähler/innen und neue Möglichkeiten zur Stimmabgabe wie „Briefwahlstellen“ oder temporäre „Briefwahlschalter“ in Rathäusern und Bürgerbüros verändern den Modus der Stimmabgabe. Daraus resultieren einerseits neue Herausforderungen für eine dosierte und zeitlich fein abgestimmte Kampagnenplanung, andererseits entstehen auch demokratietheoretische Fragen: sind die Mobilisierungseffekte zu bevorzugen, die aus einer einfachen Stimmabgabe folgen oder zerfasert die „Ausweitung der Abstimmungszone“ den Meinungsbildungsprozess der Bürger? Diese und weitere Fragen thematisiert Bieber künftig unter dem Schlagwort „Ethik des Wählens“ im Rahmen der Welker-Stiftungsprofessur an der NRW School of Governance.

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