Am 8. Mai 2026 fand an der NRW School of Governance der dritte Workshop zur „Lage der Demokratie in Nordrhein-Westfalen“ in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen statt. Rund 50 Akteur:innen aus Wissenschaft und politischer Bildung diskutierten den im März 2026 veröffentlichten 3. Demokratiebericht des Landes Nordrhein-Westfalen und zogen Schlussfolgerungen für Forschung und Praxis.

Im Zentrum stand die Entwicklung demokratischer Einstellungen in Nordrhein-Westfalen. Bereits die einleitende Vorstellung der Kernbefunde durch Prof. Dr. Susanne Pickel, Prof. Dr. Andreas Blätte und Stine Ziegler (NRW School of Governance), die den Demokratiebericht wissenschaftliche begleitet haben, machte deutlich, dass die empirischen Ergebnisse Grund zur Sorge bieten: Nicht nur die Demokratiezufriedenheit, sondern auch die Demokratieunterstützung bröckeln – besonders bei Personen, die ihre eigene Lebenslage als (eher) schlecht bewerten. Dass sich ähnliche Befunde nicht nur in NRW, sondern auch in anderen Teilen des Landes zeigen, legten Marius Minas (Universität Trier) auf Grundlage des Rheinland-Pfalz-Monitors und Pierre Zissel (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit Daten des Deutschlandmonitors dar. Vor allem die Offenheit der gesellschaftlichen Mitten für illiberale Elemente bei gleichzeitiger grundsätzlicher Demokratieunterstützung warf immer wieder Fragen auf.
Der zweite Teil richtete den Blick auf Evidenzen für die politische Bildung. Prof. Dr. Katrin Hahn-Laudenberg (Universität Münster) legte anhand der International Civic and Citizenship Education Study dar, dass es in Deutschlang eine besonders stark ausgeprägte soziale Disparität in Bezug auf politisches Wissen und demokratische Einstellungen gibt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das politische System von unterschiedlichen sozialen Gruppen als unterschiedlich leistungsfähig wahrgenommen wird. Soziale Ungleichheiten prägen politische Orientierungen bereits im Jugendalter. Dr. Nike Alkema (Akademie am Tönsberg) und Mark Kleemann-Göhring (QuALIS – Soest) machten auf Lücken der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit politischer Bildung aufmerksam und verweisen zugleich darauf, dass Demokratie unter Druck ist kein reines Bildungsproblem ist. Dennoch kann politische Bildung Zugehörigkeit und Vertrauen schaffen, wenn sie zugänglich und diversitätssensibel ist.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Dialogs: In drei thematischen Runden diskutierten die Teilnehmer:innen mit Jan Schoofs (Stadt Duisburg) über die Verwaltung als Schnittstelle zur Demokratie, mit Achim Wölfel (Mehr Demokratie e. V.) über die Potentiale demokratischer Beteiligung vor Ort und mit Christoph Schwarz (Landtag NRW) über Demokratiebildung im Landtag. In der Abschlussdiskussion wurde schließlich deutlich: Demokratische Strukturen und erweiterte Beteiligungsmöglichkeiten reichen allein nicht aus. Politik ist auch eine emotionale Erfahrung. Der Workshop machte deutlich, dass Beteiligung, Vertrauen und Räume für Begegnung und Austausch wesentlich für die Stabilität demokratischer Einstellungen sind.



Wir danken der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und insbesondere Dr. Arne Hordt für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rahmen dieser gemeinsam organisierten Veranstaltungsreihe.

