Transformation, Partizipation, Resilienz – das sind die Dreh- und Angelpunkte unserer Forschungsaktivitäten an der NRW School of Governance. Wie verändern Digitalisierungsprozesse politische Strukturen? Wie beteiligen sich Bürger*innen in einer polarisierten Gesellschaft? Wie widerstandsfähig sind demokratische Strukturen und Politiker*innen angesichts vielfältiger Herausforderungen und Bedrohungen?
Die Perspektive unserer Forschung ist polyzentrisch. Sie deckt neben Nordrhein-Westfalen alle Ebenen bis hin zur Europäischen Union ab. Sie ist anwendungsorientiert und wissensvermittelnd: Wir setzen in sämtlichen Forschungsbereichen auf einen praxisorientierten und evidenzbasierten Ansatz, der Theorie und Anwendung eng verknüpft.
Dabei sind unsere Forschungsaktivitäten von vielfältigen theoretischen und methodischen Zugängen geprägt. Der ständige Austausch mit unseren Partner*innen aus Wissenschaft und Praxis ist uns wichtig, um lösungsorientiert zu forschen. Unser gewonnenes Wissen geben wir durch verschiedene Transferaktivitäten an die Gesellschaft weiter und setzen es in der Lehre ein.
Die NRW School of Governance bündelt als Plattform Forschungs- und Transferaktivitäten zu diesen Themen am Institut für Politikwissenschaft.
ActEU
Das Vertrauen in die Politik steckt europaweit in der Krise. Sinkende Werte, die Umfrageinstitute nahezu monatlich veröffentlichen, machen das ganz deutlich. Wie gewinnt die Politik das Vertrauen zurück und wie können sich Jugendliche für mehr demokratische Teilhabe begeistern? Das untersucht das Forschungsprojekt „ActEU“ an zwölf europäischen Universitäten im Zeitraum 2023-2026. Das Konsortium wird vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen (UDE) gemeinsam mit der Universität des Saarlandes geleitet.
Die „Vertrauensfrage“ stellen die rund 30 internationalen Forschenden den Europäer:innen nicht (nur) im klassischen Umfrageformat. In einem explorativen und sequentiellen Design verbindet das Projekt Fokusgruppenforschung, mit experiementellen Umfragen und Web-Analysen.
In der zweiten Projektphase kommen vor allem Jugendliche zum Thema Demokratie zu Wort. Europaweit bieten die Forschenden der beteiligten Universitäten dafür sogenannte Youth Democracy Labs an. Die werden in Zusammenarbeit mit einem zivilgesellschaftlichen Netzwerk in den beteiligten Städten wie Duisburg, Prag oder Paris eingerichtet. Entwickelt wird neues innovatives Material für die Lehre an Universitäten und Schulen. In Kooperation mit Karikaturist:innen und den EU-Partnern werden Comics produziert, die Demokratie greifbar machen.
Fördernd: Europäische Kommission
Links: https://acteu.org/ & https://acteu.org/coordination-team/
AnsprechpartnerInnen
Leitung: Prof. Dr. Michael Kaeding & Dr. Kristina Weissenbach
Extern: Prof. Dr. Daniela Braun, Universität des Saarlandes
Demokratiebericht
Im Rahmen der zweijährlichen Demokratieberichte des Landes Nordrhein-Westfalen werden Bürger:innen zu ihren Einstellungen zur Demokratie, ihren Erwartungen und Wünschen an politische Bildung sowie zu einem wechselnden Schwerpunktthema befragt. Susanne Pickel und Andreas Blätte fungierten bereits für den zweiten Demokratiebericht (2023) mit dem Schwerpunkt „Wahlbeteiligung und Gründe der Nichtwahl“ als wissenschaftliche Begleitung. Auch für den dritten Demokratiebericht mit dem Schwerpunkt „Mitten“ sind sie wieder in dieser Rolle aktiv. Unterstützt werden sie dabei von Stine Ziegler. Der nächste Demokratiebericht erscheint voraussichtlich im Dezember 2025.
Fördernd: Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen
Links: https://www.politische-bildung.nrw/wir-partner/projekte/demokratiebericht
AnsprechpartnerInnen
Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Blätte & Prof. Dr. Susanne Pickel
Beteiligt: Stine Ziegler, M.A.
GeRäuMig
Das Projekt Gesellschaftliche Räume der Migration (GeRäuMig) untersucht, wie Wahrnehmung von migrationsbezogenen Konflikten die Räume des gesellschaftlichen Zusammenlebens beeinflusst. Das Projekt analysiert wie Menschen in ihrem Alltag mit auf Migration bezogenen Konflikten umgehen. Dazu betrachtet das von Prof. Blätte geleitete Arbeitspaket 3 Räume des Konflikts die Darstellung von Migration in regionaler Zeitungen. Das Ziel ist regionale Unterschiede in gesellschaftliche Konfliktwahrnehmungen in Kombination mit Struktur- und Einstellungsdaten zu erklären.
Fördernd: BMFSFJ
AnsprechpartnerInnen
Leitung: Prof. Dr. Andreas Blätte
Beteiligt: Christoph Leonhardt, M.A., Dennis Schüle, M.A., Seçkin Söylemez, M.A. & Zana Alma, B.A.
Haus der Geschichte: Geschichte der politischen Beteiligung in NRW
Seit Juli 2023 untersucht die NRW School of Governance die politische und gesellschaftliche Partizipation in Nordrhein-Westfalen und unterstützt damit die Stiftung Haus der Geschichte NRW bei der Konzeption einer Dauerausstellung zur Landesgeschichte. Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wer sich auf welche Weise beteiligt, welche Faktoren diese Beteiligung beeinflussen und welche historischen Entwicklungen dabei eine prägende Rolle spielen. Analysiert werden verschiedene Formen politischer Teilhabe – von Wahlen bis zu Protestbewegungen – und ihre Einordnung in zentrale historische Entwicklungen und thematische Kontinuitäten des Landes.
Fördernd: Haus der Geschichte NRW
AnsprechpartnerInnen
Leitung: Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte
Beteiligt: Jonas Zischewski, M.A. & Quentin Dahners
LinkingTextual Data
Im Projekt wird das R-Paket LinkTools entwickelt, das die Verknüpfung von unstrukturierten Textdaten mit etablierten Daten der Sozialwissenschaften ermöglicht. Durch die Verwendung von Unique Identifiern können Metadaten in Dokumenten und Entitäten im Fließtext mit externen Daten verknüpft werden, was beispielsweise die Zuordnung von Bundestagsrednern zu Wahlkreisen oder die Erkennung und Anreicherung von Orten im Text erlaubt. Diese Verlinkungen eröffnen neue Möglichkeiten für beispielsweise die Analyse des Verhältnisses zwischen öffentlicher Debatte und Umfragedaten.
Fördernd: DFG
Links: https://www.konsortswd.de/angebote/forschende/datenmanagementsoftware/linking-textual-data/
Ansprechpartner
Leitung: Prof. Dr. Andreas Blätte
Beteiligt: Christoph Leonhardt, M.A.
PoMigDem
Das Kooperationsprojekt „Politische (Un-)Gleichheit in der postmigrantischen Demokratie“ (PoMigDem) untersucht in den zentralen Dimensionen Zugehörigkeit, Partizipation und Repräsentation das Spannungsverhältnis zwischen sozialer Ungleichheit und dem Versprechen politischer Gleichheit, welches sich unter den Bedingungen der postmigrantischen Gesellschaft verschärft.
Fördernd: BMFSFJ
Von insgesamt 7 Forschungsmodulen, die das Kooperationsprojekt umfasst, werden die Folgenden von Forschenden des IfP und der NRW-School of Governance durchgeführt:
„Repräsentation in Bedrohungslagen. Lokale Amts- und Mandatsträger*innen zwischen exit und voice“
Das Modul untersucht die Auswirkungen von Bedrohungslagen auf die politische Repräsentation in der postmigrantischen Demokratie. Ziel ist es, diejenigen Faktoren zu identifizieren, die die Resilienz von Repräsentant*innen beeinflussen sowie die Mechanismen, die zu einem Rückzug aus der Politik (exit) oder zu Gegenwehr (voice) führen.
AnsprechpartnerInnen
Leitung: Prof. Dr. Andreas Blätte
Extern: Dr. Nihad El-Kayed, Humboldt-Universität zu Berlin / BIM & Merve Schmitz-Vardar, InZentIM an der Universität Duisburg-Essen
Beteiligt: Laura Dinnebier, M.A., Amelie Bastuck, Niklas Kowalski, B.A., George Nakzi, Kilian Schmitt, B.A.
Extern: M.A., Leoni Keskinkilic, M.A., Humboldt-Universität zu Berlin
„Nicht gesehen, nicht gesprochen, nicht gehört. Politische Responsivität und intersektionale Ungleichheit“ (NIG)
Das Forschungsmodul untersucht, wie intersektionale Ungleichheit Menschen mit Migrationsbiographie beeinflusst, welche Arten politischer Repräsentation sie bevorzugen und wie ihre politische Beteiligung sowie die Responsivität des politischen Systems für ihre Anliegen durch verschiedene Maßnahmen und Verfahren verbessert werden können.
Ansprechpartnerin
Leitung: Prof. Dr. Susanne Pickel
Beteiligt: Katharina Kowalski, M.A.
Politik geht an die Schulen
Das Projekt „Politik geht an die Schulen“ stärkt die Demokratiebildung junger Menschen durch praxisnahe Qualifizierungsmodule an weiterführenden Schulen in der Rhein-Ruhr-Region. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit interaktiven Lernformaten, um politische Kompetenzen zu fördern und die Selbstwirksamkeit der Schüler:innen zu stärken. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, um demokratisches Denken und gesellschaftliche Teilhabe im Raum Schule nachhaltig zu fördern.
Fördernd: Welker-Stiftung
Ansprechpartnerinnen
Leitung: Philipp Richter, M.A.
Beteiligt: Amelie Schwietering
Politische Gespräche
Die Projektreihe „Politische Gespräche“ (2025-2027), bestehend aus dem „Policy Brunch“ und dem „Politischen Treff“ bringt evidenzbasierte Forschung ins Gespräch mit Akteuren aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien, Bildung, Kunst und Kultur. Über Sektoren hinweg wird so wissensbasiertes politisches und gesellschaftliches Handeln entwickelt und unterstützt.
Um der zunehmenden Verflechtung im europäischen Mehrebenensystem gerecht zu werden findet die Veranstaltungsreihe in Düsseldorf, Berlin oder Brüssel statt. Das übergeordnete Ziel der beiden Veranstaltungsformate ist es erfolgreich dazu beizutragen, vielfältige Netzwerke zu etablieren und unterschiedliche kollektive sowie individuelle Akteure aus dem politischen Raum zusammenzubringen, um wissensbasiertes Handeln zu unterstützen und den Austausch zwischen verschiedenen Positionen in einem innovativen Raum zu ermöglichen. Die beiden Formate sollen dabei als Impulsgeber fungieren, indem sie unterschiedliche Perspektiven möglichst nah am Zeitgeschehen kaleidoskopisch zusammenführen, um das Verständnis für die transformativen Herausforderungen unserer Zeit zu schärfen und im Zuge dessen erstesystematische Lösungsansätze zu entwickeln.
Fördernd: Stiftung Mercator
Ansprechpartner
Leitung: Dr. Kristina Weissenbach
Beteiligt: Quentin Dahners, Philipp Richter, M.A. & Dr. Julia Schwanholz
Text+
Der Standort pflegt eine digitale Sammlung aller Parlamentsdebatten im Deutschen Bundestag von 1949-2024. Neben der linguistischen Annotation der Daten wird mit dem R-Paket polmineR eine lizenzfreie Analyseumgebung bereitgestellt.
Fördernd: DFG
Ansprechpartner
Leitung: Prof. Dr. Andreas Blätte
Beteiligt: Dennis Schüle, M.A.
Wahlbeteiligung in Duisburg 2.0
Das Projekt „Wahlbeteiligung in Duisburg 2.0“ untersucht im Auftrag der Stadt Duisburg Maßnahmen zur Steigerung der Wahlbeteiligung, die bei der Europawahl 2024 erprobt wurden, darunter Informationsstände, Anreize wie freier Eintritt in den Zoo und ein Gewinnspiel der Bürgerstiftung Duisburg. Die Wirksamkeit dieser Ansätze wird anhand von Wahldaten, Experteninterviews und Fokusgruppen evaluiert. Ziel ist es, fundierte Erkenntnisse für zukünftige Strategien zur Förderung der Wahlbeteiligung in Duisburg zu gewinnen.
Fördernd: Stadt Duisburg
AnsprechpartnerInnen
Leitung: Dr. Julia Schwanholz
Beteiligt: Jan Borcherding, M.A.

