
Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und Prof. Dr. Susanne Pickel, Prof. Dr. Andreas Blätte und Stine Ziegler als wissenschaftliches Team der NRW School of Governance haben den dritten Demokratiebericht an Landtagspräsident André Kuper überreicht. Der Bericht liefert eine datenbasierte Bestandsaufnahme der demokratischen Einstellungen in Nordrhein-Westfalen – und zeigt: Die Demokratie ist nicht akut gefährdet, steht aber unter wachsendem Druck.
Landtagspräsident André Kuper betonte bei der Übergabe die Bedeutung des Berichts als Warnsignal: Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit. Wenn die demokratische Überzeugung einer Gesellschaft ins Rutschen gerate, sei dies gefährlich für Frieden und Freiheit. Den Begleitbeitrag zur Übergabe gibt es im Deutschlandfunk zu hören.
Zentrale Ergebnisse des Berichts werden auch in einem Beitrag mit Prof. Dr. Susanne Pickel im WDR3 vorgestellt. Darin macht sie deutlich, dass insbesondere die Zufriedenheit mit der Demokratie spürbar sinkt – vor allem bei jungen Menschen. Bei den 14- bis 18-Jährigen ist sie seit 2023 sogar massiv eingebrochen. Gleichzeitig zeigt sich auch in mittleren Altersgruppen ein deutlicher Rückgang.
Dabei bleibt die grundsätzliche Zustimmung zur Demokratie bestehen. Allerdings wächst die Unsicherheit darüber, was Demokratie konkret bedeutet: Rund 42 Prozent der Bevölkerung zählen zu den „fragilen Demokraten“, bei denen sich demokratische und undemokratische Einstellungen vermischen.
Ein zentraler Befund des Berichts ist der enge Zusammenhang zwischen Lebenslage und Demokratiezufriedenheit. Wer die eigene wirtschaftliche Situation positiv bewertet, ist deutlich zufriedener mit der Demokratie. Prof. Andreas Blätte ordnet ein: „Die Demokratie in Nordrhein-Westfalen ist nicht akut gefährdet, aber mittelfristig in Gefahr. Persönliche Sorgen, ein wahrgenommener Mangel an wirtschaftlichen Ressourcen und Chancen sowie diffuse Zukunftsangst nagen am demokratischen Selbstverständnis.“

Die Ergebnisse zeigen zugleich, wo Handlungsspielräume liegen: Engagement und Beteiligung sind zentrale Hebel zur Stärkung demokratischer Einstellungen. Politische Bildung spielt dabei eine Schlüsselrolle – insbesondere, wenn es darum geht, grundlegende Prinzipien wie Gewaltenteilung, Minderheitenrechte oder die Rolle von Parteien verständlich zu vermitteln.
Seit 2021 erscheint der Demokratiebericht im zweijährigen Turnus und fungiert als „Pulsmesser“ der demokratischen Kultur in Nordrhein-Westfalen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und politischer Bildung – getragen von der Landeszentrale und der NRW School of Governance – ist dabei bundesweit ein besonderes Modell.
Den gesamten Bericht zum Download gibt es hier.

