Workshop „Different Worlds of Political Party Development. Comparative Analysis of the Institutionalization of Political Parties“

Die Organisatoren und Leiter des Workshops Dr. Kristina Weissenbach und Dr. Sebastian Bukow bei ihrem Eingangsvortrag.

Parteienforscherinnen und -forscher verschiedener europäischer Universitäten trafen sich in der letzten Woche an der NRW School of Governance, um gemeinsam die Gründung und Institutionalisierung neuer politischer Parteien in unterschiedlichen europäischen und globalen Kontexten zu diskutieren. Auf dem Workshop, den Dr. Kristina Weissenbach in Kooperation mit Dr. Sebastian Bukow von der Heinrich-Böll Stiftung organisiert hat, wurden Aufsatzentwürfe besprochen, die bei positiver Begutachtung im kommenden Jahr Eingang in ein Special Issue der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft finden werden.

Konzepte von Parteieninstitutionalisierung wurden ursprünglich vor dem Hintergrund des „mass-party“-Modells und mit europäisch-westlicher Perspektive auf die Entstehungs- und Verankerungsphasen von Parteien entwickelt. Seither wird in den „verschiedenen Welten“ (Areas) mehr oder weniger getrennt voneinander die Entstehung und Institutionalisierung von Parteien untersucht. Die Forschung konzentriert sich dabei entweder (vorrangig) auf Parteien und etablierte Parteiensysteme westlichen Typs oder auf Parteien und Parteiensysteme in ‚jungen Demokratien‘. Diese Parallelität der Forschungslinien wurde auf dem Workshop durchbrochen, der im Rahmen des Pilot-Projekts „Neue Parteien in Europa“ (Förderung des exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchses der UDE) wichtige Fragen der komparativen Parteieninstitutionalisierung beantwortet hat.

Dr. Saskia Ruth (University of Zurich) vergleicht die Institutionalisierung politischer Parteien in Brasilien, Argentinien, Australien und Dänemark.

Wie lässt sich das Konzept der Parteieninstitutionalisierung aus vergleichender Perspektive theoretisch konzeptualisieren, operationalisieren und empirisch abbilden? Welche regionalen Spezifika sind empirisch zu berücksichtigen, bzw. wie lassen sich regionale Forschungsbeschränkungen überwinden? Ist ein vergleichend angelegter Institutionalisierungsindex konzeptionell und/oder empirisch nur regionenspezifisch oder auch überregional valide realisierbar? Und welche Rolle spielen Parteienfinanzierungs- oder Machtfragen im Rahmen des Institutionalisierungsprozesses neuer Parteien in jungen und in etablierten Demokratien?

 

Prof. Fortunato Musella (University of Naples Federico) und Dr. Michelangelo Vercesi (Universität Lüneburg) referieren zur italienischen Fünf-Sterne-Bewegung.

Diese und weitere Fragestellungen standen im Mittelpunkt des Workshops und wurden entlang der theoretischen und empirischen Arbeiten der Autorinnen und Autoren zur Parteienentwicklung in europäischen Ländern wie Spanien, Polen, Italien, Griechenland, Deutschland, Österreich oder Belgien, aber auch Regionen in Südamerika wie Brasilien oder Argentinien oder Parteibeispielen aus Australien, diskutiert.

Nach einem arbeitsintensiven Tag, an dem die wissenschaftlichen Diskussionen auch in den Pausen nicht abrissen, zeigten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begeistert von den Ergebnissen und der gleichsam konstruktiven wie freundschaftlichen Atmosphäre des Workshops.

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