Tagung zur Europawahl: Immer noch nur zweite Wahl?

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Rund 40 ForscherInnen nahmen an der Autorenkonferenz am 18. September in Duisburg teil.

Am 18. September 2014 kamen am Campus Duisburg auf Einladung des Jean-Monnet-Lehrstuhls für Europäische Integration und Europapolitik von Prof. Dr. Michael Kaeding und der NRW School of Governance rund vierzig Politik- und Europawissenschaftler und -wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Europa und den USA zusammen, um intensiv verschiedene Aspekte der Europawahl 2014 zu diskutieren.

Die Forschung stuft Europawahlen bislang als Wahlen zweiter Ordnung ein: Wählerinnen und Wählern messen diesen weniger Relevanz zu, weswegen etwa die Wahlbeteiligung niedriger ausfällt. Vor der Wahl 2014 gab es allerdings einige Besonderheiten: Nicht nur dominierten mit Eurokrise und Ukraine-Konflikt im Vorfeld genuin europapolitische Themen, die europäischen Parteien nominierten erstmals Spitzenkandidaten und -kandidatinnen, die in europaweiten TV-Duellen gegeneinander antraten. Gerade in Deutschland änderten sich mit dem Wegfall der Sperrklausel und dem Auftritt der europakritischen Alternative für Deutschland (AfD) die Ausgangsbedingungen.

Prof. Nils Ringe (University of Wisconsin-‐Madison) während seines Vortrags zum Thema "Explaining Reelection: Expertise, Influence, and Intergroups".

Prof. Nils Ringe (University of Wisconsin-‐Madison) während seines Vortrags zum Thema „Explaining Reelection: Expertise, Influence, and Intergroups“.

„Die meisten Analysen bestätigen jedoch das Etikett der second-order-Wahl“, fasst Michael Kaeding zusammen: „so zeigt sich zwar beispielsweise ein mobilisierender Effekt durch die Spitzenkandidaten, aber eben nur in ihren Heimatländern“. Neben der detaillierten Analyse der von der Eurokrise besonders hart getroffenen EU-Länder (z.B. Griechenland und Portugal) wurde der Blick auch nach vorne gerichtet. Passenderweise hatte kurz vor der Tagung der designierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seine neue Kommission vorgestellt. Dass Juncker dieses Amt übernimmt, war trotz seiner Rolle als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) nicht zwingend. „Juncker hat nun ein anderes Mandat als die Kommissionspräsidenten vor ihm. Und mit dem Wissen über den Ausgang werden die Parteien die Aufstellung der Spitzenkandidaten für die nächste Europawahl ernster nehmen, hier sind mehr Wettbewerb und eine Politisierung zu erwarten“, sagt Niko Switek, Mitveranstalter der Konferenz.

In kleinen Arbeitsgruppen wurde themenspezifisch diskutiert.

In kleinen Arbeitsgruppen wurde themenspezifisch diskutiert.

Die Ergebnisse der Tagung münden in eine Publikation, die im Frühjahr 2015 erscheinen wird (Michael Kaeding/Niko Switek: Die Europawahl 2014, Springer VS, Wiesbaden).

Ermöglicht wurde die Tagung durch die finanzielle Unterstützung der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften und die Duisburger-Universitätsgesellschaft.

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