Wissen, Ethik und Beratung

Die Erforschung von Akteuren und Prozessen der Politikberatung bildet ebenso wie die angewandte Politikberatung einen Schwerpunkt unseres Forschungsprogramms. Dabei reicht der Gegenstand unserer Forschungsprojekte von der Beratung von Spitzenakteuren durch enge Mitarbeiter über den Wissenstransfer durch politische oder private Stiftungen, wissenschaftliche oder kommerzielle Policy-Beratung, Public Relations, Public Affairs und Lobbyismus, Think-Tanks und Spin-Doktoren bis hin zu neuen Formen der Politikberatung, wie partizipativer Politikberatung durch die Bürger.

Gemeinsam ist den Forschungsprojekten die Analyse der Vermittlungsprozesse von Handlungswissen.

  • Wie verlaufen Prozesse der Politikberatung?
  • Welche Rolle spielt Beratung und Wissenstransfer in politischen Entscheidungsprozessen oder bei der Institutionenbildung?
  • Wie verläuft formale und informelle Politikberatung vor dem Hintergrund der Strukturmerkmale des Regierens in Deutschland? Wie im internationalen Kontext?

Dabei legen wir einerseits eine prozessuale Perspektive auf Politikberatung zugrunde und untersuchen andererseits die normative Seite von Beratungsprozessen. Entscheidend sind hier die Fragen nach den Legitimitätspraktiken von Beratungsakteuren, ebenso wie die Erkenntnis, dass die politische Bezugnahme auf den Begriff der ‚Ethik’ – auf „ethische Probleme“ und „ethische Lösungen“ – als Begründungsgrundlage von Beratung und Beratungsorganen ansteigt.

Projektgruppen und Projekte aus dem Forschungsbereich

Projektgruppe: Stiftungen und NGOs

Stiftungen und NGOs
In ihrem Forschungsbereich ‚Wissen und Politikberatung‘ befasst sich die NRW School of Governance, neben der Untersuchung von regierungsinternen Beratern, mit unterschiedlichen Akteuren der externen Politikberatung und deren Wissensvermittlung. Zu den Akteuren in der externen Politikberatung können auch Stiftungen gezählt werden, die ihr Wissen an die Politik übermitteln. Die Projektgruppe ‚Stiftungen und NGOs‘ konzentriert sich mit besonderem Fokus auf zwei Akteurstypen: zum einen auf die Untersuchung von parteinahen Stiftungen und zum anderen auf private gemeinnützige Stiftungen. Beide Akteure unterscheiden sich aber durch Ihre Finanzierung, die sich bei parteinahen Stiftungen über Bundesmittel generiert und sich bei privaten Stiftungen aus einem Privatvermögen herbeiführt wird. Die Stiftungstypen differenzieren sich darauffolgend durch ihren unterschiedlichen Grad der politischen Unabhängigkeit voneinander. Die Projektgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, diese stiftungsspezifischen Kriterien aufzudecken und den Akteurstyp Stiftung aus einem politikwissenschaftlichen Blickwinkel zu erforschen.

Parteinahe Stiftungen werden als ‚Quasi-Non-Governmental-Organization‘ (QUANGO) zwischen Nichtregierungsorganisationen auf der einen und staatlichen Akteuren auf der anderen Seite eingeordnet. Obwohl parteinahe Stiftungen den Namen „Stiftung“ tragen, ist aus juristischer Sicht nur die Friedrich-Naumann-Stiftung als Stiftung des privaten Rechts einzuordnen. Alle anderen parteinahen Stiftungen sind eingetragene Vereine. Sie nehmen im Rahmen ihrer Arbeit eine politikberatende Funktion ein: Parteinahe Stiftungen unterstützen einen kritischen Dialog in der Innenpolitik und nehmen politikberatende Funktionen außerhalb Deutschlands durch ihre Länderbüros wahr. Im besonderen Fokus steht die Untersuchung der Rolle sowie Beteiligung von parteinahen Stiftungen in der Außenpolitik sowie in Transformations- und Demokratisierungsprozessen.

Private gemeinnützige Stiftungen abreiten unabhängig von politischen Parteien und zählen zu den zentralen zivilgesellschaftlichen Akteuren im politischen System der Bundesrepublik Deutschland. Sie betätigen sich zunehmend in verschiedenen Politikfeldern und setzen sich für gesellschaftspolitische Ziele ein. Da sich die Stiftungsarbeit unter den verschiedenen Akteuren und in den unterschiedlichen Politikfeldern außerordentlich diversifiziert ist, zielt die Arbeit der Projektgruppe auf eine politikwissenschaftliche Analyse von unterschiedlichen Stiftungen. Stiftungen versuchen ihr Wissen und ihre Ideen an Entscheidungsträger zu vermitteln. Daher liegt es im zentralen Erkenntnisinteresse den Vorgang der Wissensvermittlung zwischen Stiftungen und der Politik zu analysieren sowie zu interpretieren.

Durch den Vorgang der Wissensvermittlung durch Stiftungen gegenüber der Politik und mit ansteigender Verflechtung in der politischen Interessensvertretung lässt sich ein zunehmender Legitimitätsdruck von Stiftungen konstatieren. Stiftungen setzen sich aber mit ihrer eigenen Legitimität auseinander. Diese Muster gilt es aufzudecken. So stehen im Kern der Untersuchung Instrumente, Stile und Techniken von Stiftungen, ihre eigene Arbeit gegenüber der Politik und der weiteren Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

a)    Leitfragen des Projekts

  • Welche Rolle verfolgen parteinahe Stiftungen in der deutschen Außenpolitik? In welcher Form und auf welche Weise üben die parteinahen Stiftungen Einfluss auf Ent-scheidungsprozesse im Ausland und Deutschland aus? (Nicole Renvert)
  • Welche Rolle spielen parteinahe Stiftungen im Feld der ‚Demokratisierungs- und Parteienförderung’? (Kristina Weissenbach)
  • Wie erfolgt der Wissenstransfer in die Politik? Welche Praktiken der Wissensvermittlung nutzen operative Stiftungen? Was ist ihre Handlungsmotivation? Was sind Handlungsstrategien? (Susanne Schröder)
  • Wie generieren Stiftungen Legitimität? Wie rechtfertigen sich Stiftungen gegenüber der Politik? (Sophia Regge)

b)    Publikationen

  • Kristin Weissenbach: Political party assistance in transition: the German ‚Stiftungen’ in sub-Saharan Africa, in: Democratization, Vol.17 No.6, December 2010, 1225-1249.
  • Kristina Weissenbach: Wenn nicht jetzt, wann dann? Zur Parteienförderung der deutschen Stiftungen in Zeiten der Transition, in: Zeitschrift für Politikberatung, Juni 2011 Heft 1,2011, Nomos.
  • Kristina Weissenbach: Parteienförderung im Transitionsprozess. Eine vergleichende Analyse der deutschen parteinahen Stiftungen in Kenia und Südafrika, 2015 i.E.
  • Nicole Renvert: Machtmakler in schwierigen Zeiten: Die Rolle der deutschen politischen Stiftungen in den transatlantischen Beziehungen.
  • Nicole Renvert:Vermittler in Bedrängnis: Politische Stiftungen und Demokratieförderung in der arabischen Welt in Internationale Politik 4, Juli/ August 2012, S. 46-49
  • Nicole Renvert:Gefährdet oder gefährlich? Politische Stiftungen und der arabische Frühling in Internationale Politik, Online-Exklusiv, Januar 2012

c)    Laufende Einzel(promotions-)projekte

    • Sophia Regge: Legitimitätspraktiken am Beispiel deutscher Umweltstiftungen.
    • Susanne Schröder: Operative Stiftungen in der Politikberatung. Eine Analyse von Stiftungshandeln und -praktiken der Wissensvermittlung im Politikfeld
      Integration.

Ansprechpartnerin

Dr. Kristina Weissenbach

Forschungskoordination
Tel.: +49 (0) 203/379– 3742 (Büro)
Mail: kristina.weissenbach@uni-due.de

 

 

Forschungsprojekt: Neue Formen der Politikberatung

Neue Formen der Politikberatung
Politik braucht Beratung. Doch Beratung kann vieles sein. Wissenschaftliche Politikberatung ist dabei nur eine Dimension – wenn auch eine sehr zentrale. In den vergangenen Jahren hat jedoch auch die partizipative Politikberatung – das heißt die Beratung von Politik und Verwaltung durch die Bürger – immer stärker an Gewicht gewonnen. Der Fokus des Forschungsprojektes „Neue Formen der Politikberatung“ liegt deshalb auf neuen, innovativen, partizipativen Formen, Instrumenten und Foren der Politikberatung. Gefragt wird etwa danach, welche innovativen Beteiligungsformate zielgerichtet Beratungswissen für politische Akteure generieren können, oder welche demokratietheoretischen und praktischen Perspektiven und Herausforderungen mit unterschiedlichen Beteiligungsformaten verbunden sind. Politikberatung wird in diesem Kontext stets als „Beratung durch den Bürger“, als Beteiligung der Bürger im Rahmen des demokratischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses verstanden.

Publikationen:

  • Karl-Rudolf Korte / Ray Hebestreit (2015): Partizipation und politisches Entscheiden. Politische Beteiligung im Kontext aktueller Entscheidungszumutungen in der Politik
  • Ray Hebestreit (2013): Partizipation in der Wissensgesellschaft. Funktion und Bedeutung diskursiver Beteiligungsverfahren
  • Ray Hebestreit (2013): “Bringing People Back In”. Eine Analyse von 21st Century Town Meetings und Deliberative Polls als Instrumente deliberativer Bürgerbeteiligung auf lokaler und regionaler Ebene in den USA und Option für Nordrhein-Westfalen

Ansprechpartner

Ray HebestreitDr. Ray Hebestreit
Tel.:+49 (0) 203/379 – 4106
Mail: ray.hebestreit@uni-due.de

 

 

Promotionsprojekt: Ethik in politischen Beratungs- und Entscheidungsprozessen

Ethik in politischen Beratungs- und Entscheidungsprozessen

Haupterkenntnisinteresse dieses Forschungsprojekts ist es, die politische Bezugnahme auf den und die konkrete Bedeutung des Terminus der Ethik in politischen Beratungs- und Entscheidungsprozessen zu untersuchen. Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass nicht nur im politischen Diskurs immer häufiger auf „ethische Probleme“ oder „ethische Lösungen“ verwiesen wird, sondern verstärkt auch solche Beratungsorgane begründet werden, die den Begriff der „Ethik“ in ihrem Titel führen, obschon der mit ebenjenem Begriff verbundene Arbeitsauftrag weithin unbestimmt bleibt. Die weltweite Einrichtung politisch tätiger, nationaler Ethikkommissionen/Ethikräte ist bis anhin sowohl politisch-soziologisch, -theoretisch wie auch politikwissenschaftlich-empirisch nur wenig systematisierend und kaum einzelfallspezifisch thematisiert worden.
Die zentralen Untersuchungsfragen dieses Forschungsprojekts lauten deshalb:

  • In welchen politischen Kontexten, auf welche Art und mit welcher Begründung wird auf die Ethik in der Politik inhaltlich Bezug genommen?
  • Welche politischen Fragen und Prozesse werden als ethische „gerahmt“ und inwiefern kann selbiger Rekurs auf die Ethik als politische Machtstrategie in politischen Entscheidungsprozessen fungieren?
  • Wie wird die der Terminus der Ethik politikwissenschaftlich untersucht und politische Rekurs auf selbige theoretisch-methodisch zu beschreiben und interpretieren versucht?
  • Wie kann die in der Politischen Soziologie diagnostizierte „Ethisierung“ der Politik terminologisch näher bestimmt und inwiefern kann diese überhaupt empirisch belegt werden?
  • Was beinhaltet eine „ethische Politikberatung“ und wie institutionalisiert sich diese?
  • Worin unterscheidet sich die „ethische“ von der wissenschaftlichen Politikberatung?
  • Welche Funktion nimmt der Deutsche Ethikrat in politischen Entscheidungsprozessen wahr?
  • Inwiefern ist der Deutsche Ethikrat ein Akteur der „ethischen Politikberatung“ und was qualifiziert ihn — aus praktisch-politischer und politikwissenschaftlicher Perspektive — als solchen?
  • Welche Expertise produziert der Deutsche Ethikrat und wie und in welcher Form rekurriert die Politik in Entscheidungsprozessen auf dessen „Ethikexpertise“?

Promotionsprojekt:

„Der Deutsche Ethikrat in der Politik: Arbeitsweise, Selbstverständnis und Funktion eines politischen Ethikrates in parlamentarischen Entscheidungsprozessen“ von Gordian Ezazi, Gutachter: Prof. Dr. Christoph Bieber (Universität Duisburg/Essen) und Prof. Dr. Matthias Kettner (Universität Witten/Herdecke). Publikation voraussichtlich 2015.

Publikationen:

  • Ezazi, Gordian (2014): Bioethik und Biopolitik. Auf dem Weg zur „Ethisierung“ der Politik, in: Bieber, Christoph/Grundmann, Sven (Hrsg.) (2014): Ethik und Politikmanagement, Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol), Sonderband 2013, S. 139-152.
  • Ezazi, Gordian (2013): Ethik im politischen Alltag. Eine politikwissenschaftliche Betrachtung. Erschienen in: Regierungsforschung.de, Politikmanagement und Politikberatung. Online verfügbar unter: http://www.regierungsforschung.de/dx/public/article.html?id=195
  • Ezazi, Gordian (2012): Trends der ethischen Politikberatung. Wie der Ethikrat Politik macht – illustriert am Beispiel der Beschneidungsfrage, erschienen in: Regierungsforschung.de, Politikmanagement und Politikberatung. Online verfügbar unter: http://regierungsforschung.de/trends-der-ethischen-politikberatung-wie-der-ethikrat-politik-macht-illustriert-am-beispiel-der-beschneidungsfrage/

Ansprechpartner

Gordian EzaziGordian Ezazi, M.A.

Mail: gordian.ezazi@uni-due.de

 

 

 

Promotionsprojekt: Ethik und Politikmanagement: Zur Theorie moralischer Urteilsbildung im politischen Prozess

Ethik und Politikmanagement: Zur Theorie moralischer Urteilsbildung im politischen Prozess

Verantwortungsvolle Tätigkeiten in Parteien, NGOs und Verbänden setzen die Fähigkeit voraus, dass politikwissenschaftlich geschulte Führungskräfte in der Lage sind sich eine (ethisch) reflektierte Meinung zu bilden, um methodisch fundiert und zielbezogen an politischen Entscheidungsprozessen mitwirken zu können. Das Dissertationsprojekt „Ethik und Politikmanagement: Zur Theorie moralischer Urteilsbildung im politischen Prozess“ schließt an die kritische Policy-Forschung an und untersucht unterschiedliche Formen der Moralreflektion (Ethik) als Instrument politischer Urteilsbildung. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und schlägt eine Brücke zwischen (angewandter) Politikwissenschaft und (angewandter) Ethik.

Promotionsprojekt:
„Ethik und Politikmanagement: Zur Theorie moralischer Urteilsbildung im politischen Prozess.“

Publikationen:

  • Bieber, Christoph, 2013: „Ethik und Politikmanagement: Ein neuer Gegenstand der Regierungsforschung“. In: Karl-Rudolf Korte/Timo Grunden (Hrsg.): Handbuch Regierungsforschung, Wiesbaden, 103 bis 112.
  • Bieber, Christoph; Grundmann, Sven Sebastian(2014): „Ethik und Politikmanagement. Zwischen angewandter Ethik und praxisorientierter Politikwissenschaft“.  In: Bieber, Christoph/Grundmann, Sven (Hg.): Ethik und Politikmanagement, Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol), Sonderband 2013, Seite 7 bis 14.
  • Grundmann, Sven Sebastian  (2013): „Ethik und Politikmanagement. Grundlagen eines Lehrkonzepts für eine praxisorientierte Politikwissenschaft“.  In: Zeitschrift für Politikwissenschaft, 23 Jahrgang, Heft 3, Seite 471 bis 484.
  • Grundmann, Sven Sebastian (2014): „Politik und Ethik. Geschichte und Gegenwart einer schwierigen Beziehung“. In: Bieber, Christoph/Grundmann, Sven (Hg.): Ethik und Politikmanagement, Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol), Sonderband 2013, Seite 99 bis 118.

Ansprechpartner

Sven Grundmann, M.A.
Tel.: +49 (0) 203/379 – 4337
Mail: sven.grundmann@uni-due.de

 

 

 

 

Ausgewählte Publikationen aus dem Forschungsbereich

ZPOlSonderband2013Christoph Bieber und Sven Sebastian Grundmann (Hrsg.)
Ethik und Politikmanagement

Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol)
Sonderband 2013
Nomos, Baden-Baden 2014.
243 Seiten, 49,00 € (Für Bezieher der ZPol: 36,75 €)
ISBN: 978-3-8487-0515-3

 

2014_Weissenbach_ParteienförderungKristina Weissenbach
Parteienförderung im Transitionsprozess.

Aus der Reihe: Studien der NRW School of Governance
Springer VS | Wiesbaden 2014.
ISBN 978-3-531-18560-6
Etwa 350 Seiten | 39,95 €

 

 

Politikberatung im Innenhof der MachtTimo Grunden
Politikberatung im Innenhof der Macht.

Aus der Reihe: Studien der NRW School of Governance
VS-Verlag für Sozialwissenschaften | Wiesbaden 2009
ISBN 978-3-5311-6204-1
421 Seiten, broschiert | 34,90 €