Ergebniskonferenz: das Ruhrgebiet sieht Chancen für Politik und Medien im Lokalen

Projektleiter Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte eröffnet die Podiumsdiskussion der Ergebniskonferenz

Mit der Ergebniskonferenz unter dem Titel „Entfremdung von Politik und Medien?“ startete am Donnerstag das von der Brost-Stiftung geförderte Projekt der NRW School of Governance „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet: Die Gesprächsstörung zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten“ in seine Abschlussphase. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der zweitägigen Konferenz stellte das Projektteam erste Ergebnisse der repräsentativen Umfrage vor, die für die Studie erstellt wurde. Was Politik und Medien in der Region aus diesen Ergebnissen lernen können, diskutierten im Anschluss der Journalist Robin Alexander, der Stadtforscher Prof. Dr. Jörg Bogumil, der SPD-Politiker Thomas Kutschaty und der Historiker Prof. Heinrich Theodor Grütter gemeinsam mit Projektleiter Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte.

„Es gibt im Ruhrgebiet keinen massiven Vertrauensverlust in Medien, es zeichnet sich aber ab, dass gerade in der jüngeren Generation vor Ort die analoge und digitale Gesprächsgrundlage wegbricht“, stellte zu Beginn des Abends Jan Dinter, der in den vergangenen Jahren an der Studie mitgearbeitet hat, fest. Er ergänzte: „Überrascht hat uns aber, wie deutlich sich die Befragten in der lokalen Politik wiederfinden und wie gestört hingegen ihr Verhältnis zur Politik allgemein ist.“ Das Team der NRW School of Governance sieht daher gerade im lokalen und regionalen Raum Chancen: „Vor Ort, auf der lokalen Ebene, können Bürger, Politiker und Medien wieder ein gemeinsames Gespräch führen. Und gerade in der jüngeren Generation zeigt sich, dass die Identifikation mit dem Ruhrgebiet steigt, obwohl sich gerade jene Strukturen, die die Region einst geprägt haben, immer stärker auflösen“, sagt Dinter.

Diesen Befund greift auch der Direktor des Ruhr Museums, Prof. Grütter auf: „Wir sehen auch in unserem Museum gerade bei Jüngeren ein starkes Interesse an der Region.“ Einig waren sich die Gäste, dass das Negativ-Image des Ruhrgebiets zu Teilen selbstverschuldet ist: „Fördermittel gab es immer dafür, dass es dem Ruhrgebiet ja so schlecht gehe. Ein echtes Problem sind heute die durch Jahrzehnte des Strukturwandels überschuldeten Städte. Für die brauchen wir einen Altschuldenfonds – und danach muss Schluss sein mit dem Jammern“, sagt Prof. Dr. Bogumil, der an der Ruhr-Universität Bochum den Lehrstuhl für öffentliche Verwaltung, Stadt- und Regionalpolitik innehat. Er vertrat auch die These, dass das Aus von Opel ein guter Schritt für die gesamte Region war: „Heute gibt es auf der Fläche des ehemaligen Opel-Werks in Bochum doppelt so viele Arbeitsplätze.“ An dieser Stelle widersprach der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag NRW und Essener Abgeordnete Kutschaty: „Wir benötigen im Ruhrgebiet Arbeitsplätze für alle Teile der Bevölkerung, nicht nur für Hochqualifizierte. Es ist toll, dass die Region zu einem der wichtigsten Hochschulstandorte geworden ist – aber das trägt nur einen Teil unserer Gesellschaft.“

Auf die Frage, wie sich Politik und Medien in der Region von der Berliner Republik unterscheiden, sagten Kutschaty genauso wie der Chefreporter der „WELT“, Robin Alexander: Stil und Taktung seien in Berlin anders, das wirke für viele Bürgerinnen und Bürger undurchsichtig und fremd. Ob die Zeitungen dann nicht mehr über Informationen aus dem Lokalen berichten sollten, antwortete der Journalist und Bestseller-Autor Alexander: „Es gab solche Versuche. Aber letzten Endes lebt Journalismus vom Konflikt, die Lokalpolitik lebt aber von Zusammenarbeit und Konsens.“

Neben der Podiumsdiskussion diskutierte das Projektteam am Donnerstag und Freitag auch mit Experten und Praktikern aus Politik, Medien und Wissenschaft in zwei Workshops-Sessions über Lösungsansätze für die „Gesprächsstörung“. Mit Prof. Dr. Wiebke Möhring und Prof. Dr. Matthias Degen tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Anforderungen und Konzepte von Lokal- und Politikjournalismus in sich ändernden Öffentlichkeiten aus. Am Freitag ging es dann mit Johannes Hillje und Dr. Karina Hohl um von der Politik „verlassene“ Stadtteile und politische Bildung in benachteiligten Quartieren.

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