„Neue Parteien in Europa“: Feldphase des Forschungsprojekts abgeschlossen

Dr. Kristina Weissenbach im Interview mit Jeroen Kohls von der KAS in Athen

Die letzten zehn Jahre markieren eine Phase des Aufkommens neuer Parteien in den Nationalparlamenten Europas. In 25 der 28 EU-Mitgliedstaaten ist es in diesem Zeitraum neuen Parteien gelungen in das nationale Parlament einzutreten, verstärkt in den letzten fünf Jahren.

Insgesamt 59 neue Parteien haben sich seit 2005 im gesamten Spektrum der Parteiensysteme gebildet. Diese Parteien unterscheiden sich jedoch nicht nur hinsichtlich ihrer vielfältigen programmatischen und ideologischen Ausrichtung, sondern vor allem in Bezug auf die Art und Weise ihrer Gründung und des weiteren Verlaufs ihrer Institutionalisierung im nationalen Parlament.

Almut Zimmer im Gespräch mit Francisco De la Torre Díaz von der Partei Ciudadanos

Mit den „Newcomer-Parteien“ To Potami, Syriza und ANEL in Griechenland sowie Ciudadanos, EQUO und Podemos in Spanien untersucht das Pilot-Projekt „Neue Parteien in Europa“ von Dr. Kristina Weissenbach den Institutionalisierungsprozess von zunächst sechs Neugründungen, die die Hürde in ihr nationales Parlament genommen haben. Herauszufinden welche Bedeutung die Gründungsform der Parteien für ihre weitere Institutionalisierung hat und welche Aspekte der Institutionalisierung für den langfristigen Erfolg der Partei ausschlaggebend sind, war Ziel der Interviewphase im März und April 2017, die das Projektteam Kristina Weissenbach und Almut Zimmer nun erfolgreich abgeschlossen hat. Leitfadengestützte Interviews wurden einerseits geführt mit Repräsentanten der Parteien und Fraktionen, sowie der Frauen- und Jugendorganisationen, andererseits mit Experten aus dem wissenschaftlichen Feld und dem Bereich der parteinahen Stiftungen.

Der Forschungsstrang zur Parteieninstitutionalisierung zeigt, dass der Datenzugang zu ‚objektiven‘ Aspekten der Parteieninstitutionalisierung (wie z.B. Parteialter, Wahlerfolg, Sitzverteilung im nationalen Parlament oder Mitgliederzahlen) – gerade im europäischen Kontext – meist gut zugänglich und für die Forschung nutzbar sind. Die Analyse von ‚internen‘ und ‚externen‘ Indikatoren der Parteieninstitutionalisierung, die häufig informal sind (wie z.B. Kohärenz einer Partei, interne und externe Abhängigkeitsverhältnisse, innerparteiliche Willensbildungsprozesse oder das Vertrauen der Bevölkerung in eine Partei) bedarf hingegen aufwändiger Mixed-Methods-Forschungsdesigns, bestehend aus Umfragedaten, Daten aus Interviewführung und Beobachtungsprozessen vor Ort. Mit der abgeschlossenen Feldphase verfügt das Pilot-Projekt nun über ein mehrdimensionales Bild der Genese der Newcomer in Griechenland und Spanien.

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