Öffentliche Vorlesung von Gastprofessorin Dr. Christine Bergmann: „Ein Tabu wird gebrochen – sexualisierte Gewalt an Kindern“

Stiftung Mercator

"Ein Tabu wird gebrochen - sexualisierte Gewalt an Kindern" lautete der Titel der öffentlichen Vorlesung von Dr. Christine Bergmann.

„Ein Tabu wird gebrochen – sexualisierte Gewalt an Kindern“ lautete der Titel der öffentlichen Vorlesung von Dr. Christine Bergmann.

Am 12. Januar 2016 besuchte Dr. Christine Bergmann die NRW School of Governance zur öffentlichen Vorlesung im Rahmen ihrer Gastprofessur für Politikmanagement der Stiftung Mercator. In diesem Wintersemester war Frau Bergmann bereits zuvor wöchentlicher Gast im Seminar „Politikmanagement im Bereich von Gesellschafts- und Familienpolitik“, das unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte stattfand.

Ihr Hauptaugenmerk legte die ehemalige Bundesfamilienministerin auf ihre Rolle als unabhängige Beauftragte des Runden Tisches zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissrauchs. In dieser Position lag es im Besonderen an ihr, eine Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen, die Thematik von Grund auf aufzuarbeiten und auch Missbrauchsfälle im familiären Bereich in den Fokus zu rücken.

In seinem Grußwort verwies Karl-Rudolf Korte auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Thematik.

In seinem Grußwort verwies Karl-Rudolf Korte auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Thematik.

Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, zog sie sich besonders oft wissenschaftliche Expertise hinzu
und startete die öffentlichkeitswirksame Kampagne „Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter“. Infolgedessen meldeten sich Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs in Form von 20.000 Anrufen und rund 3.000 Emails und Briefen bei ihr. „Die Tatsache, dass diese Menschen nun endlich sprechen konnten und man ihnen glaubte, war schon einer der größten Erfolge, die wir erzielen konnten“, so Bergmann.

Das Durchschnittsalter der Betroffenen betrug dabei 46 Jahre. Doch das Beispiel einer 89-jährigen Frau, die nun erst aussprechen konnte, was ihr im Kindesalter widerfahren ist, zeigte sehr deutlich, wie viel Aufarbeitung und Aufklärung diese Thematik benötigt. Auch auf die Spätfolgen des Missbrauchs ging Christine Bergmann detailliert ein. So beschrieb sie, dass viele der Opfer oft ihr gesamtes Leben lang unter sexuellen Problemen, körperlichen Folgen oder negativen Auswirkungen auf das eigene Selbstbewusstsein leiden.

(v.l.) Prof. Dr. Isabell van Ackeren (Prorektorin für Studium und Lehre, Universität Duisburg-Essen), Gastprofessorin Dr. Christine Bergmann, Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte

(v.l.) Prof. Dr. Isabell van Ackeren (Prorektorin für Studium und Lehre, Universität Duisburg-Essen), Gastprofessorin Dr. Christine Bergmann, Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte

Als Präventivmaßnahmen schlug sie vor, konkrete Mindeststandards zum Schutz vor sexuellem Missbrauch durchzusetzen und passgenaue Schutzkonzepte für öffentliche Einrichtungen festzulegen. Auch soll es ihrer Meinung nach einen konkreten Handlungsplan bei Verdachtsfällen in öffentlichen Einrichtungen geben, so dass jeder Mitarbeiter wisse, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Vor diesem Hintergrund wurde auch die aktuelle Flüchtlingsbewegung thematisiert. „Auch hier ist es wichtig, dass wir die Kinder in den Flüchtlingsunterkünften schützen“, forderte Bergmann. „Es darf nicht sein, dass Kinder, die ohnehin schon traumatisiert sind, hier nun ein zweites Trauma erleben.“

"Wir müssen das Thema der sexualisierten Gewalt an Kindern vom Rand in den Mainstream holen", so Bergmann.

„Wir müssen das Thema der sexualisierten Gewalt an Kindern vom Rand in den Mainstream holen“, so Bergmann.

Zum Schluss zog die gelernte Apothekerin das Fazit, das sexuelle Gewalt an Kindern bis heute kaum eingedämmt werden konnte. Als Grund dafür benannte Bergmann, dass Beratungsstellen nicht adäquat ausgestattet sind und Aufarbeitung nur punktuell erfolgt. Auch die Hilfesysteme bezeichnete sie als zu langsam und nicht ausreichend. So gibt es beispielsweise kaum Angebote für Menschen mit Behinderung.

Vor diesem Hintergrund appellierte Christine Bergmann dafür, dass das Thema, trotz aller Schwierigkeit, vom Rand in den Mainstream geholt werden muss. Auch stellte sie klar, dass Kinderschutz jeden Menschen angeht und dass Kinder ein grundsätzliches Recht auf Schutz vor allen Formen von Gewalt haben.

Die Berichterstattung zur öffentlichen Vorlesung von Frau Dr. Bergmann finden Sie hier.

Impressionen der öffentlichen Vorlesung von Dr. Christine Bergmann

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