Wissenschaftler diskutieren über die junge Partei AfD

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Claus Leggewie (m.) hält die Diskussion um den Euro langfristig nicht für ein mobilisierungsfähiges Gewinnerthema für die AfD.

Ist die AfD ein neues Korrektiv im deutschen Parteiensystem oder ein Sammelbecken für enttäuschte und politisch heimatlose Wähler?

Unter dieser Leitfrage diskutierten Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte (Direktor der NRW School of Governance), Prof. Dr. Claus Leggewie (Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen) und Dr. Marcel Lewandowsky (Helmut Schmidt Universität Hamburg) am Dienstag, den 13. Januar 2015, vor rund 100 interessierten Gästen an der NRW School of Governance. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Stefan Thierse (NRW School of Governance).

Karl-Rudolf Korte (r.) verortet den Erfolg der AfD in einer Angebotslücke auf dem Wählermarkt.

Karl-Rudolf Korte (r.) verortet den Erfolg der AfD in einer Angebotslücke auf dem Wählermarkt.

Karl-Rudolf Korte sieht den Erfolg der AfD in einer Angebotslücke auf dem Wählermarkt begründet; die AfD habe anders als die FDP in den vergangenen Wahlen damit punkten können, dass sie mit ihrer Kritik an der Euro-Rettungspolitik ein Thema besetzt habe, zu dem sie eine von den etablierten Parteien klar unterscheidbare Position vertritt. Zudem böten Zeiten einer Großen Koalition, in der die Opposition marginalisiert sei und eine gewisse Debattenunlust um sich greife, ideale Chancen für Newcomer-Parteien.

Claus Leggewie hält die Diskussion um den Euro langfristig nicht für ein mobilisierungsfähiges Gewinnerthema. Bereits jetzt gäbe es innerhalb der Partei einen Flügel, der die AfD als politische Kraft rechts von der Union und als Auffangbecken für islam- und fremdenfeindliche Ressentiments ausrichten will.

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Marcel Lewandowsky (l.) verwies auf ein „strategisches Dilemma“ der AfD.

Während Leggewie den Begriff des Rechtspopulismus zur Einordnung der AfD für angemessen hält, betont Marcel Lewandowsky, dass die Programmatik der Partei eine solche Einstufung nicht unbedingt rechtfertige. Zwar bediene sich die AfD etwa mit ihrer Schelte an der politischen Elite populistischer Stilelemente, doch sei es ihr bisher erfolgreich gelungen, eine Stigmatisierung als rechtsextremistisch zu vermeiden. Lewandowsky erkennt in der deutschen Wählerschaft großes Potenzial rechts der Union, das die AfD jedoch aufgrund eines strategischen Dilemmas kaum ausschöpfen kann: „Driften sie zu weit nach rechts, verlieren sie Wähler der Mitte und werden medial stigmatisiert.“

Presseschau: 

  • derwesten.de berichtet über die Diskussionsrunde an der NRW School of Governance hier.

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