„Transparenz ist kein Modethema!“ – Dennoch braucht Demokratie auch professionelle Interessenvermittlung

Als Schlusspunkt eines spannenden und abwechslungsreichen ersten Semesters im Masterstudiengang an der NRW School of Governance hatten die Studierenden erneut die Möglichkeit, Einblicke in die praktische Welt der Politikberatung zu erhalten. Im Rahmen des HANIEL Master Course „Politikberatung: Strategien, Instrumente und Stile des modernen Regierens“ gastierte am 24. Januar 2012 Heiko Kretschmer, Gründer und Geschäftsführer der Beratungsagentur Johanssen + Kretschmer aus Berlin, in Duisburg.

Unter dem Thema „Ethik in der Politikberatung“ gewährte Herr Kretschmer Einblicke in seine Tätigkeit als Politikberater sowie in seine Aktivitäten als Ethikbeauftragter innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (de’ge’pol). So gibt es als „ethische Grundlage“ Codizes in der Politikberatung, die unter anderem  Transparenz und eine Stärkung der Eigenverantwortung beinhalten. Auch die Agentur von Kretschmer greift bei der Beratung darauf zurück: „Wir haben uns einen ‚Code of Business‘ gegeben, der auf den ethischen Standards der Branche aufbaut, Teil der Agenturordnung und somit für jeden Mitarbeiter verpflichtend ist.“

Ein zentraler Bestandteil sei dabei die Absendertransparenz. Im Rahmen der de’ge’pol setzt sich Heiko Kretschmer daher für eine gesetzlich bindende Regelung ein. „Forderungen nach mehr Transparenz betrifft ebenso die Interessenvertretung, wie es beispielsweise in der Diskussion um das Lobbyregister deutlich wird.“, so Kretschmer im Bezug auf seine Tätigkeit als Ethikbeauftragter. Die öffentliche Debatte um Lobbyismus und Interessenvertretung wird bisweilen sehr kontrovers geführt, professionelle Interessenvermittlung sei aber unter den richtigen Voraussetzungen in einer pluralistischen Demokratie unabdingbar. „Die gesellschaftliche Forderung nach mehr Transparenz ist kein Modethema, sondern Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels. Da muss auch die Beraterbranche reagieren“, konstatiert er zusammenfassend.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde auch das Konzept von Corporate Social Responsibility (CSR) beleuchtet. „In den letzten Jahren hat sich die Haltung von Unternehmen zum Thema CSR im Speziellen und zu Nachhaltigkeit im Allgemeinen zum positiven entwickelt“, so der Politikberater. Damit widersprach er zu großen Teilen der These, es handele sich bei CSR überwiegend um eine Art „Scheckbuchdiplomatie“ von großen Konzernen.

Gegen Ende der Veranstaltung konnten dann die Studenten des Masterkurses Fragen an den Berliner Berater stellen. Von besonderem Interesse war dabei die persönliche Biografie von Herrn Kretschmer, der als diplomierter Physiker in die Politikberatung wechselte. Mit dieser Basis beendete Herr Kretschmer seinen Ausflug in die Politikberatung und gab eine Einschätzung für die Chancen von Quereinsteigern in die Beratung sowie das aktuelle Anforderungsprofil der Politikberatungsbranche.

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